Nachdenken über
Beethoven 2009
BEEP OFF forschen am Zusammenhang zwischen der physiologischen Ableitung
kreativer Prozesse, der präkonstituierten Rezeption solitärer
personeller Phänomene und dem Einfluß interkultureller Kolateralexistenzen.
Rand- und Nebenphänomene spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle
wie transitorische Prozesse.
Im Kontext dieser
Untersuchungen nehmen Leben und Werk von Ludwig van Beethoven und seine
spätere Aufnahme in den kunstgeschichtlichen Kanon eine exemplarische
Stelle ein.
Beethoven starb
an den Auswirkungen seines mit Bleizucker geschmacklich abgerundeten
Lieblingsweines.
„Süß“
und „schwer“ sind die mit Bleizucker - Pb(CH3COO)2 - verbundenen
Assoziationen, aus denen sich Beethovens unbewußte Affinität
zu diesem Genußmittel ableitet und die sich in Strecken seines
kammermusikalischen Werkes widerspiegeln.
Die Dualität von bleierner Schwermut und dem Streben nach allgemeingültiger
Erkenntnis auf kontrapunktischer Basis führte, unterstützt
durch vergorenen Most, mittels organisch-spiritueller Konvertierung
des genossenen Bleis zu surrogativem Ausgleich kommunikativer Defizite.
Damit gerät Beethovens Entwicklung in das Umfeld körpergenerativer
Kunsttheorien.
Die letale Dosis von Blei(II)-acetat liegt für erwachsene Menschen
bei 5–30 g.
Dagegen führt eine Bleimenge ab etwa 1 mg pro Tag nach längerer
Zeit zu einer chronischen Vergiftung. Demnach lag Beethovens Dosis im
unteren Bereich.
Wie hätte sich dagegen sein Schaffen unter dem Einfluß von
Minimalquantierungen im Sinne Hahnemannscher Potenzierung verändert?
BEEP OFF recherchiert dazu bei bewährten HomöopathInnen in
Celle.
In Bezug auf Beethovens
Taubheit findet BEEP OFF neue Forschungsansätze.
Das alchemistische Bleisymbol

zeigt eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Schnitt des menschlichen
Innenohres.
Der rot gekennzeichnete
Bereich weist auf die kritische Stelle in Beethovens Physis.
Sehen wir hier bisher unbeachtete Zusammenhänge? BEEP OFF befragt
dazu Fachleute aus dem humangenetischen und dem psychiatrischen Bereich.
Blei steht in enger
dialektischer Verbindung zu Gold. Auf Grund seiner Ähnlichkeit
zu Gold (weich und schwer) galt Blei nicht erst unter Beethovens Zeitgenossen
als guter Ausgangsstoff für die Goldsynthese: Synthese als Farbumwandlung
von Grau nach Gelb! Ein Thema, das Peter Rühmkorf in seiner berühmten
Sentenz „Ein Tag aus Gold und Grau...“ später wieder
aufnahm.
Gold ist ein rumänischer
Bodenschatz. Bedingt durch den natürlichen Kontakt mit Nanopartikeln
liegt der spezifische Goldgehalt von nativen Rumänen um ein Mehrfaches
über dem von durchschnittlichen Mitteleuropäern, was auf physiologische
Auswirkungen schließen läßt. Setzen wir Beethovens
Bleiwerte dazu in Beziehung, ergeben sich interessante Zusammenhänge:
Beethoven begegnete beim Weingenuß im Prater täglich Musikern
aus Siebenbürgen. Er selbst war taub und mußte seine Arbeit
über Noten mitteilen. Rumänische Volksmusiker brauchen keine
Noten. Können sie überdurchschnittlich gut hören?
Stand Beethoven möglicherweise in schwermetallbedingter symbiotischer
Beziehung zu Immigranten?
Um das zu prüfen, führt BEEP OFF mobile Schnelltests an Straßenmusikern
in Berlin-Mitte durch.
Zu den äußeren
Symptomen einer Bleivergiftung gehört das sog. „Bleikolorit“,
die blass-grau-gelbe Verfärbung der Haut, eine Veränderung,
die Beethovens Zeitgenossen auffiel und in abendlichen geselligen Runden
kolportiert wurde.

Die triviale Fortspinnung
dieses Phänomens geriet über die euphemistische Umschreibung
als Mondscheinfarbe zum Attribut spätromantischer Beethovenrezeption,
in deren Mittelpunkt die Mondscheinsonate steht.
Zu diesem Zeitpunkt wurde Beethoven schon als Star wahrgenommen, in
den das Publikum, losgelöst von der realen Künstlerexistenz,
unbegrenzt seine Wunschvorstellungen projizieren konnte.
Die Zuschreibung der Anmutung von Licht bestimmter spektraler Zusammensetzung
ist also Teil der vom Autor emanzipierten Reflektion musikalischen Schaffens.
BEEP OFF testet die entsprechende Wirkung von Licht unter modernen Bedingungen.
Signalfarben, die geeignet sind, öffentlich ausgeführte Bewegungen
zu steuern, werden auf ihre Wechselwirkung mit rezent alltagstauglicher
traditioneller piktoraler Musikfortschreibung untersucht.
Die Kombination
elitären Anspruchs mit demokratistischer Ausweitung findet ihren
Gegenpart in der Rezeption volkstümlicher Straßenmusik. Der
Verlust der Aura in der permanenten Reproduktion des anerkannten Genies
steht der Unmittelbarkeit und Individualität des im traditionellen
Repertoire befangenen Straßenmusikers gegenüber.
BEEP OFF dokumentiert,
in welcher Weise die konfrontative Kombination beider Spannungsfelder
zu neuen Erkenntnissen führt. Dazu betreibt BEEP OFF ein mobiles
Labor, in dem Straßenmusiker mit Migrationshintergrund in den
Kontext trivialer Beethoven-basierter Spin-Offs gestellt werden.
In Multilayer-basierter empirischer Bildsynthese zeigen sich Bezüge
zwischen ästhetischer Globalisierung und der Einwanderungspolitik
der Europäischen Union.
BEEP OFF überprüft
die Resultate der Untersuchungen in edukativen Zusammenhängen.
Nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Adoleszente aus Strausberg testen
in einem lokalen Jugendclub eine interaktive Installation zur aktuellen
Klassikakzeptanz.
Die Ergebnisse der
einzelnen Tests geben uns Einblicke in komplex determinierte Zusammenhänge
individueller und kollektiver Entwicklungskategorien unter Partizipierung
objektiver naturwissenschaftlicher Einflüsse. Das sind Erkenntnisse,
mit denen wir den Herausforderungen der globalen Inkontinuität
ein weiteres Stück weit begegnen können.
